Viterbo OnLine

Die möhren aus viterbo

INDIETRO >>

Die eingelegten aromatischen Viterbo-Möhren sind eine besondere Zubereitung einer speziellen Mohrrübensorte, der weitverbreiteten "daucus carota var. sativa", aus der Familie der Doldengewächse, von der man zahlreiche Farbvarianten (weiß, rot, gelb, lila) als auch Formen (kurz, lang, zylindrisch, konisch, kreiselförmig) kennt. Diese Möhren dürfen nicht mit der roten Beete verwechselt werden, wie dies der Ada Boni in ihrem berühmten "Talisman des Glücks" geschehen ist, wo die Schriftstellerin das in Frage kommende Rezept mit "Eingelegte aromatische Rote Beete(Viterbo-Möhren)" überschreibt. Darüberhinaus schreibt sie in der Beschreibung, daß für dieses Rezept "nicht die gewöhnlichen runden roten Rüben, sondern die länglichen, ähnlich der gelben Möhren, gebraucht werden. In Viterbo kann man diese getrockneten, dunkelfarbigen, spiralförmig verdrehten Rüben leicht auftreiben". Heute ist leider diese besondere Möhrensorte verlorengegangen, aber sie sind durch die gewöhnlichen gelben Möhren ersetzt worden, da das Besondere an diesem Rezept nicht die Möhrensorte, sondern ihre Zubereitung ist. Aber wie und wann entstand dieses ungewöhnliche Rezept? Im Ausgabenbuch des Klosters der Hl. Dreifaltigkeit zu Viterbo, sind im Dezember 1467 die Ausgaben des Paters Cristoforo festgehalten, der an der Porta del Popolo einen "bolognino" (Münzeinheit, ursprünglich aus Bologna) Stadtzoll für die dem Abt mitgebrachten Möhren bezahlen mußte. Die Zahlung des Zolls und der Empfänger des Geschenks beweisen, daß es sich nicht um gewöhnliche Möhren gehandelt haben kann. Platina (1400) schreibt in seinem "De onesta voluptate et valetudine" im Kapitel 108 des fünften Buches, mit der Überschrift "carota e pastinaca", daß "die Gartenmöhren schmackhafter sind, besonders die aus Viterbo". Ein weiterer Hinweis auf diese Möhren stammt aus dem Archiv der Gemeinde Vitorchiano (Kreis Viterbo) und zwar in einem von den Konservatoren von Rom versandten Brief (Roma die sexta Martii 1488), in dem diese aus Anlaß der Fastenzeit um die Zusendung von Möhren baten, um diese einzulegen: "Per uso dello nostro et per possere fare honore in questo tempo quatragesimale ad alcuni forestieri che adcaschano alla nostra mensa, haveriamo caro essere serviti da voi de qualche carota per posserla confectare". Was dagegen die Zubereitung angeht, ist erst kürzlich zwischen den Dokumenten der Stadtbibliothek von Viterbo ein Brief eines angesehenen Bürgers an einen Bekannten aus Rom vom 25. November 1827 mit dem Rezept der Viterbo-Möhren gefunden worden, dessen Ursprung jedoch weiterhin offenbleibt. Die süß-saure Zubereitung läßt auf das Ende des Mittelalters schließen, als Süß-saures weit verbreitet war. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts begann der Vertrieb der Viterbo-Möhren, in originellen Gefäßen verpackt, sie erhielten sogar eine Auszeichnung auf der Ausstellung von 1879 und wurden bei Festessen in Viterbo zu Ehren Garibaldis (1876) und Ferdinands IV gereicht, wie einige Chronisten berichten. Die königliche Familie schätzte sie sosehr, daß eine Dame aus Viterbo jährlich eine gewisse Menge an König Umberto ins portugiesische Exil schickte. Für die Zubereitung schneidet man die Möhren längs in Scheiben, läßt sie in der Augustsonne trocknen, mariniert sie einige Tage in Essig, schließlich erhitzt man sie in einer süß-sauren Sauce, die aus Essig, Zucker, Gewürznelken, Muskatnuß und - je nach Geschmack - auch Schokolade, Pinienkernen, Rosinen, kandierten Früchten besteht. Es gibt tatsächlich unzählige Variationen des Rezepts, so daß man - wie auch bei vielen anderen Rezepten der Fall - behaupten kann, daß jede Familie ihr eigenes besitzt. Die Aufbewahrung erfolgte in Tongefäßen mit einem darübergedecktem Tuch oder, falls zur längeren Aufbewahrung bestimmt, in fest verschlossenen Töpfchen. Bei Tisch aß man die Viterbo-Möhren fast ausschließlich zu Kochfleisch oder zu einigen lokalen Würsten wie der Kochsalami oder dem Presskopf, "coppa di testa". Das genaue Rezept ist in dem Band "Tuscia a tavola" enthalten, von Italo Arieti, Abgeordneter von Viterbo in der Accademia Italiana della Cucina. Zwecks weiterer Hinweise können Sie sich an ihn wenden (Tel. 0761.34.27.57).

 

UP >>